20 Oktober 2014

Vom älter werden.



Hallo ihr Lieben,
Der Herbst ist da und wie auf Kommando werden meine Gedanken schwerer. Ich denke auch im Sommer viel nach, so ist das nicht. Nur der Herbst hat etwas melancholisches an sich. Die Welt stirbt um einen herum, die Sonne verschwindet und bleiben tut eine frostige Decke aus Eis, die alle Freude unter sich begräbt. Vielleicht fühlt es sich blöd an, dem Sommer hinterherzutrauern. Ich werde im Winter aber immer melancholisch und traurig, ich kann nicht ohne Sonne leben und tagelang unter einer grauen Wolkenschicht nur funktionieren zu müssen macht mich traurig
In letzter Zeit habe ich häufig über das älter werden nachgedacht. Mit 16 Jahren bin ich ganz schön alt und doch nichts im Vergleich zu meiner Mutter (meine Großmütter leben leider nicht mehr). 


Früher, bevor ich in den Kindergarten gekommen bin waren die Eltern immer die größten für mich. Genauso wollte ich werden. Sie waren meine Könige, unser Haus und Garten meine Welt, unser Hund das Pony, das ich immer haben wollte. 
Irgendwann ist mein Reich dann gewachsen. Plötzlich war da der Kindergarten und andere Kinder. Erzieherinnen. Meine kleine Welt ist gewachsen und das fand ich furchtbar. Nach unserem Umzug noch mehr. Ich habe mich nicht akzeptiert gefühlt, war im Kindergarten unterfordert und war ein schreckliches Kind wenn es darum ging die Hand der Mutter los zu lassen und den Vormittag im Kindergarten zu verbringen. Die älteren Kinder waren unheimlich, so furchtbar erwachsen und groß. Sie durften sogar schon zur Vorschule gehen. Meine Unzufriedenheit im Kindergarten führte dazu dass ich, nachdem ich mir selbst lesen und schreiben beigebracht habe, schon eine Woche nach meinem 6. Geburtstag eingeschult wurde. 
Die Grundschule war vorerst unheimlich. Lauter ältere Menschen. Die Viertklässler waren die großen Vorbilder! Einige Geschwister von Mädchen aus meiner Klasse waren unter ihnen und ich habe sie immer bewundert. Es musste soo cool sein die große Pause auf der Feuertreppe zu verbringen und über 'Erwachsenensachen' zu reden. Sie waren schon viel erwachsener, rannten und spielten nicht mehr so viel wie wir.
Ich muss sagen ich war als Kind nie beliebt gewesen. Ich war immer anders, komisch. Ich habe meine Haare nie kämmen wollen, bin bis zur 4. Klasse mit einem riesigen Wuschel rumgelaufen und habe mich jeden Nachmittag mit meinem Nachbarn getroffen um Pferd zu spielen. 



Irgendwie hat man immer die Älteren vor Augen. Doch jetzt in der 11. Klasse ist da plötzlich fast niemand älteres mehr. Plötzlich sind wir diejenigen die den Führerschein machen, sich mit 18jährigen Jungen treffen und alleine verreisen. Plötzlich gibt es da Freiheiten und Möglichkeiten, die es früher nicht gab. Und wir müssen lernen Verantwortung zu übernehmen. Wir werden mit 'Sie' angesprochen, es werden furchtbar schwere Dinge von uns verlangt und wir müssen folgeschwere Entscheidungen fällen. Längst sind nicht mehr die Eltern Ansprechpartner sondern enge Freunde. 
Plötzlich ist einem bewusst dass man das perfekte Alter erreicht hat. Wer will schon älter als 17 werden? 
Oft sehe ich alte Menschen vor mir. Der Tod meiner Oma. Alte Menschen im Rollstuhl. Pflegefälle. Wenn ich alt bin möchte ich niemandem auf die Last fallen. Niemand soll unnötige Kosten wegen mir haben oder seine eigenen Bedürfnisse wegen mir zurückstellen. Ich will am besten gar nicht alt werden. Ich möchte mich an die Gesichter meiner Liebsten erinnern. Ich möchte keine Falten haben, nicht krumm und grau werden. Wie die Blätter im Herbst. Erst verfärben sie sich und fallen dann zu Boden. Doch dann sind sie noch nicht tot. Sie leben noch und liegen am Boden, bis sie schließlich unter einer Schlammschicht begraben sind. Ich möchte keines dieser Blätter sein. Ich möchte nicht älter als 70 werden und davor ein erfülltes Leben haben.


Ich glaube ich bin ein Mensch der nicht gut mit Verlusten klar kommt. Lieber schotte ich mich komplett von der Außenwelt ab als de Schmerz zu ertragen, den ein Verlust mit sich bringt. Und doch bin ich dazu gezwungen meinen Eltern beim älter werden zuzusehen. Die Vergesslichkeit, die immer mehr zunimmt, die Arbeit die sie immer mehr mitnimmt. Jeden Monat wird der Ansatz nachgefärbt. Wir alle kämpfen doch irgendwie gegen das Älter werden und doch ist die Zeit ein schlechter Gegner. Gegen die Zeit kann man nicht gewinnen. Man muss nur versuchen mitzuspielen und das Beste aus der Niederlage zu machen. Hoffen wir, dass unser Spiel ein gutes Spiel wird. 


Ich hoffe ihr konntet meinen Gedankengängen folgen. Die Bilder hat meine Mutter gestern von meinem Pony Stomur und mir geknipst. Ich finde sie wunderschön. Ich kenne Stormur seit der 5. Klasse und die ganze Zeit über habe ich ihn geliebt. Auch wenn er nach seinem Verkauf verschollen war und ich ich nerst letztes Jahr wiedergefunden und gekauft habe. Trotzdem gibt es Dinge, die sich nie ändern. Zum Beispiel die Liebe zu einem Tier. Oder die Einstellung zu bestimmten Dingen. Oder ein Lieblingslied, das dir immer im Kopf bleiben wird.
Alles Liebe, Salo 



Kommentare:

  1. Guten Abend Salo,
    du scheinst es sehr nachdenklicher Mensch zu sein und ziehst negative Gedanken quasi mit Bravur an. Als ich deinen Beitrag las, musste ich schmunzeln. Du bist erst süße sechszehn Jahre alt, ich bin elf Jahre älter als du und sehe vieles mit ganz anderen Augen. Manches kann ich auch für mich persönlich nicht verstehen oder nachvollziehen. Das Leben ist dein Spiel, du hast die Fäden in der Hand und der Tod kommt irgendwann, jeder muss von dieser Welt gehen, hinterlässt aber seine Seele und die Seele möchte genährt werden. Mit positivem Inhalt, Herzensdingen, Reife, nicht mit nur negativen Dingen oder der Immer-Melancholie.

    Du bist jung, halte die Zügel des Lebens in der Hand. Werde alt, sammele Erfahrungen. Genieße die Momente und ändere deine Einstellung zum Leben. Ich glaube nicht, dass sie dich auf Dauer zufrieden stellen wird.

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    1. Und, ich möchte alt werden und Falten tragen, wieso auch nicht? Ich bin jemand, der nie gegen das Alter ankämpfen würde. Das wäre ein verlorener Kampf, denn die Zeit läuft mit uns. Nicht gegen uns.

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  2. Oh gott. Meine Lieblingsbilder und ein wunderbarer Post und irgendwann muss auch ich mal direkt auf dem Blog meine Meinung sagen! Und trotzdem werde ich es wieder per Whatsapp direkt geschrieben haben. :D

    Ich finde den EItrag ja irgendwie toll. Die Zeit, die du beschreibst vom Kindergarten und der Schule und das alles ist so wundervoll. Ich musste so lächeln, weil es stimmt, wobei ich ja nie erwachsen werden wollte.
    So und jetzt wartet das alles auf einen und steht irgendwie schon vor einem. Ich frage mich, warum ausgerechnet du so nachdenklich bist, was die Zeit angeht, wo du doch Ziele im Leben hast und alles vollkommen genießt. Da bin ich mir relativ sicher. Weil du weißt ja wie mein Tagesablauf aussieht und irgendwie sollte ich mir da doch eher Gedanken machen?
    Aber um wiedder zurück zum Thema zukommen, ist das Alter wohl etwas, was jeder komplett anders auffasst. Ich habe Freunde, die sich freuen mit der Schule fertig zu sein, die also unsere Eltern immer noch als Vorbilder haben und ich kenne Leute, wie mich, die am liebsten immer in die Schule gehen würden und alles nocheinmal erleben würden. Aber ich würde glaube ich nie behaupten, dass ich nicht alt werden möchte, ich habe kein Problem mit der Vorstellung irgendwann mal die alte Generation zu sein, wobei ich mir das eigentlich auch gar nicht vorstellen kann, weil es doch noch so lang ist, weil es ja im Vergleich zu dem, was wir bisher geschafft haben, soooo viel Zeit noch ist.

    Ich bin echt gespannt, ob sich deine Meinung ändert, wenn du die Schule hinter dir hast. Wenn du andere Ziele hast und so. Mhh...

    Ich habe das Gefühl das passt alles gar nicht zum Thema, aber naja, du kennst mich ja, ich red gern drum rum und mach aus allem ein reinstes Chaos. Das ist auch etwas, dass mich wundert. Wie du aus der Zeit, unserem ständigen Begleiter so ein riesen Ding machst.

    Liebe Grüße, Lealein. :D

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  3. Oh, das ist wundervoll geschrieben, ich wurde davon auch ziemlich melancholisch. Wenn ich daran denke, wie viel älter meine Mutter ist, wie das Leben vergeht - das ist schrecklich. Ich bin immer das Küken und werde es wohl auch noch eine Weile bleiben, ehe sich im Studium alles auflöst. Wann habe ich dann meinen Bachelor, mit 20? Sag ich ja, Küken. Als 17-jährige zu studieren muss ganz und gar fabelhaft sein.
    Mit 26 ist man auch noch irgendwie jung, aber ganz anders. Man ist selbstständig, man weiß oft schon, wo man hin will und hat Ziele, die ich mir jetzt nicht erträumen könnte. Mit 26 ist vielleicht alles weggewischt, was ich jetzt, in diesem Moment, für richtig halte. Mit 26 vergeht die Jugend. Du meine Güte, und das sind nur zehn Jahre.
    In denen ich noch Einiges zu tun habe, unter anderem morgen zum ersten Mal zur Fahrschule gehen, was ich gruselig genug finde. Aber inzwischen bin ich auch fast die Einzige, die noch nicht mit ihrem Führerschein rumwedelt, des leidigen Alters wegen. Jung, alt, irgendwie ist es doch immer falsch. Was ist schon perfekt?
    Der Vergleich mit einem Spiel ist schön - das "Spiel des Lebens" mochte ich immer gern. Und das Nette ist, dass man hier, in der Realität, so viel mehr tun kann. Viel schlechter ist es ja auch noch nicht geworden.

    Ich fürchte, dass ist irgendwie wirr geworden, ich hab die ganze Zeit dran rumgepfuscht, ohne wirklich was zu verbessern...
    Alles Liebe,
    Mara

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  4. Ich glaube bei mir hat das Leben mit 16 erst so richtig angefangen :D Ich bin jetzt 26 und habe bald Geburtstag, aber mir gehts ganz ähnlich wie dir!!

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  5. Also erstmal wunderschöne Bilder!
    ich sehe das ganze ein wenig anders als du, der Text ist zwar wunderschön geschrieben, und natürlich hast du recht damit dass man erst im Laufe der Jugend anfängt mit leben. Aber ich sehe es anders, dass man angst vor dem älter werden hat. Ich rege mich oft über meine Großeltern auf die über 80 sind und außer ein paar kleinen wehwehchen (nix schlimmes) nichts weiter haben, und doch immer erzählen wie krank sie sind und das ab 70 alles vorbei ist. Mein anderer Opa ist mit 65 gestorben und auxh wenn ich ihn nie kennengelernt habe hat er mir eins gelehrt; dankbar zu sein für alles was man hat und nicht rumzuheulen wegen jedem Jahr dass man älter wird. Das Leben ist ein Geschenk und wir sollten es schätzen. Vorallem nicht so viel denken, ich bin auch ein mensch der oft nachdenkt aber das macht nix besser. Ich denke wir sollten immer so laufen als wäre es der letzte tag, aber hoffen dass es nur einer von tausenden ist den wir noch erleben werden.
    In diesem Sinne, einen schönen Tag dir noch und tu was du liebst!
    liebe grüße, Leonie.

    brthlss.blogspot.de

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  6. So schöne Bilder & so ein toller Text! Du hast schon recht ich bin auch ein sehr nachdenklicher Mensch und habe mir darüber auch schon so oft Gedanken gemacht.
    rock-your-life22Blospot.de

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